Leistungsbild eines Freiraumplanes

 

Wünschen Sie eine Beratung zum Freiraumplan? Haben Sie spezifische Anliegen zu Freiräumen in Ihrer Gemeinde? Schreiben Sie uns unter standler@mail.boku.ac.at

Ausgehend von den Erfahrungen bei der Erstellung des Freiraumplanes für die Stadt Bruck/Mur baut das Leistungsbild eines Freiraumplanes auf folgenden Grundpfeilern auf:

Interdisziplinäres Arbeitsteam
Die Zusammensetzung des Arbeitsteams aus verschiedenen Planungs- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen (Architektur, Landschaftsplanung, Psychologie, Raumplanung, Soziologie,...) hebt die Planungsqualität und -verständlichkeit.

BürgerInnenbeteiligung
Die Beteiligung von interessierten Gruppen, im gegenständlichen Fall den Jugendlichen, hebt die Qualität der Information und Planung, die Identifikation mit vorgeschlagenen Maßnahmen und die Umsetzungswahrscheinlichkeit steigen. Die Beteiligung ist neben der Planung fixer Bestandteil der Arbeit und erfordert daher entsprechende finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen.

Freiraumerhebung - Typisierung
Einzelaufnahmen verschiedener privater, siedlungsöffentlicher und öffentlicher Freiräume dienen als Grundlage für die Freiraumplanung auf Bebauungsplanebene. Das Hauptziel der Aufnahmen ist aber die Erstellung einer Freiraumtypologie als Grundlage für die Gebietskartierung.

Gebietskartierung
Um für einzelne, im Umbruch befindliche oder problematische Stadtteile genauere Aussagen treffen zu können, werden diese anhand der Freiraumtypologie kartiert. Das ermöglicht Detailschärfe, wo diese nötig ist, und erspart zeitintensive flächendeckende Kartierungen auf Gemeindeebene.

Planung auf verschiedenen Ebenen (Flächenwidmungsplan, Bebauungsplan)
Durch die Kombination verschiedener Planungsmaßstäbe ist sowohl eine gemeindeweite (M 1: 5.000) als auch eine parzellenscharfe Betrachtung (M 1: 500 oder M 1: 1.000) möglich. Diese Flexibilität verhindert unnötig große Datenmengen.

Empfehlungen für die Planung und rechtliche Verankerung
Aus der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Freiraumqualitäten und -defiziten werden im Zuge des Arbeitsprozesses Vorschläge sowohl für die zukünftige Planungspraxis (Architektur, Freiraumplanung, Raumplanung) als auch für die Gesetzgebung formuliert.

Impulse für die Umsetzung
Parallel zur Planung werden einzelne Vorschläge aus dem Beteiligungsverfahren mit Hilfe der Bevölkerung, privater und städtischer Betriebe bereits umgesetzt. Das stärkt das Vertrauen der Bevölkerung in die Realisierbarkeit von Veränderungen.

Kontinuierliche Reflexion und Evaluierung
Laufende Arbeitstreffen mit GemeindevertreterInnen dienen der inhaltlichen und organisatorischen Abstimmung. Sie erlauben, in einer offenen Arbeitsatmosphäre auch kritische Auseinandersetzungen mit bestehenden Planungen. Eine mehrmalige Ergebnisevaluierung durch die AuftragsgeberInnen gibt Auskunft über die "Kundenzufriedenheit" und ermöglicht gewünschte Schwerpunktverlagerungen.

Insgesamt wird die Planung als Prozess verstanden. Die Dokumentation wird daher auf einem Minimalmaß gehalten (z.B. durch kurze Berichte). Andererseits kommt der internen (laufende Teamsitzungen) und externen Kommunikation (Internetforum, Öffentlichkeitsarbeit) große Bedeutung zu. Die Datenlieferung erfolgt sowohl analog als auch digital.

Wesentlich - sowohl für die Festlegung des Bearbeitungsrahmens als auch die inhaltliche Ausrichtung - ist die Verwendung des Begriffes "Freiraum". In den bestehenden Arbeiten wird der Begriff häufig synonym dem Begriff "Freiland" gemäß Steiermärkischem Raumordnungsgesetz 1974 ("alle nicht als Bauland oder Verkehrsflächen festgelegten Grundflächen") verwendet. So wird z.B. im "Leitfaden für die Landschaftsverhandlung" Freiraum als baulich nicht genutzte oder nicht versiegelte Fläche verstanden (vgl. DÖRR et.al., 1996:26).

Die Forschungsarbeit am Freiraumplan der Stadt Bruck/Mur zeigt allerdings, dass die Bebauung einen sehr wesentlichen Einfluss auf die Verfügbarkeit und die Qualität von städtischen Freiräumen hat und sich innerhalb des Baulandes der Hauptteil des Freiraumangebotes befindet (private, siedlungsöffentliche und institutionelle Freiräume). Auch der Versiegelungsgrad oder die verkehrstechnische Nutzung einer Fläche schließen deren Qualität als Freiraum nicht aus, im Gegenteil. Straßen, Wege und (befestigte) Plätze sind die elementarsten öffentlichen Freiräume einer Stadt und unabkömmlich für die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte.

Der Begriff "Freiraum" wird daher eher in Anlehnung an die Begriffsdefinition "Freifläche / Freiraum" im Freiraumkonzept der Salzburger Landesregierung ("nicht überbaute Räume", unabhängig von deren Vegetationsprägung) verwendet (vgl. LAND IN SICHT, 1995: 99), wobei auch eine gewisse bauliche Nutzung für die Qualität von Freiräumen wesentlich sein kann (vgl. diesbezügliche Wünsche der Brucker Jugendlichen nach überdachten Unterständen etc.).

Die Suche nach einer geeigneten "Freiraum"-Definition führt zu den vielfältigen Arbeitsfeldern der Landschafts- und Freiraumplanung und zeigt die Notwendigkeit ihrer frühzeitigen Einbindung in die bestehenden (Raum)Planungsinstrumente, gerade auch dann, wenn von Freiräumen am wenigsten die Rede ist (Bsp. Bebauungs- und Verkehrsplanung).

Maria Baumgartner


Literatur:

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