Projektbeschreibung

Was sind soziale Vorrangflächen und was ist Freiraumplanung? Hier findest du eine Beschreibung des Projektes. Mehr dazu gibt's auch im Endbericht.

Am Beispiel der Stadt Bruck/Mur soll gezeigt werden, wie die soziale Wertigkeit von Freiräumen über Instrumente der Landschaftsplanung stärker berücksichtigt werden kann. Das Projekt wird unter Beteiligung der Jugendlichen in Bruck/Mur durchgeführt. "Soziale Vorrangflächen" - Freiraumplanung im Interesse der Jugendlichen ist als Syntheseprojekt für die Praxis im Rahmen der Kulturlandschaftsforschung des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur konzipiert.

Die fachlich qualifizierte, auf nachhaltige Nutzungen abgestimmte Freiraumplanung hat in der Raumplanung oftmals einen untergeordneten Stellenwert. Die Freiraumplanung beschränkt sich zumeist auf die Erholungsplanung (kommerzielle Freizeitangebote) und die Naturerlebnisvorsorge (Flächensicherung für Sport, Spiel und Natur). Gängige Raumplanung berücksichtigt zu wenig die soziale Wertigkeit von Freiräumen und reduziert die Freiraumplanung somit zur "grünen Fachplanung" mit unreflektiertem Subjekt- und Objektbezug, also dem Bezug zwischen gebauten Bedingungen und die damit verbundenen Lebensformen. Die wohlgemeinten Funktionstrennungen, z.B. die Trennung in Sport- und Spielflächen, führen vielerorts zum Verfall der öffentlichen Räume (z.B. der Bahnhofsvorplätze).

Allzu häufig gibt es Orte, die nur der Fortbewegung oder nur dem Konsum dienen. Zusätzlich kaschieren Ästhetisierungs- und Schutzstrategien offene Fragen, die sich aus dem sozialen Wandel ergeben: Reduzierungen der Freiräume, zum Beispiel im Siedlungs-Wohnbau, lassen freie Flächen zu Abstandsflächen zwischen den Siedlungsbauten verkommen. Ein Indiz dafür, dass Gemeinden kein Leitbild für die Gestaltung von Freiräumen haben. Ein Indiz dafür, dass der öffentliche Raum in vielen Fällen als Restfläche zwischen Einzelarchitekturen verstanden wird. Diese theoretischen wie gebauten Bedingungen und die damit verbundenen Lebensformen erschweren eine effiziente Neuinterpretation des öffentlichen Raums.

"Öffentliche Räume jeder Art sind auch Bestandteil und Ausdruck von Lebensformen einer Gesellschaft" (vgl. Duli 1998). Der These, dass die materielle Ausstattung eines Ortes der Ausdruck von sozioökonomischen Bedingungen und Verhältnissen ist und die materielle Ausstattung Einblicke in die sozioökonomischen Bedingungen und Verhältnisse gewährt, denen ein Ort unterworfen ist, ist im Kulturlandschaftsforschungs-Modul KK1 - Kulturlandschaft im Kopf nachgegangen worden (vgl. Strohmeier et al 1997).

Soziale Vorrangflächen bedeutet eine Qualifizierung von Freiräumen dadurch, dass Wissen der BewohnerInnen über ihren Lebensraum in den Planungsprozess einfließt. Eine verstärkte Berücksichtigung freiraumplanerischer Aussagen ist ein Anliegen der Steiermärkischen Raumplanung (vgl. "Freilandleitbild" als Teil des "Örtlichen Entwicklungskonzeptes" bzw. die Ermunterung der Gemeinden zur "Freilandplanung" laut Entwurf zum Steiermärkischen Raumplanungsgesetz 1998). Dieses Ziel verfolgt auch das gegenständliche Forschungsvorhaben "soziale Vorrangflächen". Fachübergreifende Perspektiven und die Berücksichtigung sozialer Wertigkeiten der Freiräume sind Gegenstand einer engagierten Freiraumplanung. Sie sind Mittel der wissenschaftlichen Synthese für die Praxis.

Im Projekt erfolgt eine Antwortsuche im Dialog zwischen Wissenschaft und gesellschaftlicher Praxis - konkret: Jugend forscht mit Profis. Ein Dialog, zu dem Schüler und andere Jugendliche eingeladen werden, verlangt einen sorgfältigen, einen umsichtigen Zugang. Der Dialog muss persönlichen Nutzen für die Beteiligten bringen und ebenso wie die Planung sensibel auf geschlechterspezifische Anliegen reagieren. So zeigen Untersuchungen, dass Mädchen ein anderes Freiraumverhalten als Buben aufweisen und ihr selteneres Auftreten im öffentlichem Raum mit dem Fehlen geeigneter Raumstrukturen zusammenhängt. Die Art der Freiraumplanung bestimmt also in hohem Maße die zukünftigen NutzerInnengruppen.

 

      PRESSESPIEGEL