planning_space Planungswerkstatt Bericht

Was ist die Planungswerkstatt?

In der Planungswerkstatt sind die Jugendlichen die Freiraumplaner- und planerinnen. Sie entwickeln Gestaltungsentwürfe aufbauend auf ihren Ideen aus der Begehung der Lieblingsorte und der Zukunftswerkstatt für die in der City_line ausverhandelten Orte bzw. Themen. Die Ideen und das Know-how über die eigenen Freiraumansprüche kommt von den Jugendlichen selbst. Die Planungswerkstatt, wie sie in Bruck/Mur stattfand, moderiert den Planungsprozess. Dies geschieht mittels Modellbauen und (Plan)zeichnen und der begleitenden Moderation zur Findung der Ansprüche der Jugendlichen. Modellbauen inspiriert. Das Bauen von Modellen fördert das räumliche Vorstellungsvermögen für Dimensionen aber auch handwerkliche Fertigkeiten. Gearbeitet wird mit Karton, Styropor, Farben, Kleber, Buntpapieren, Holzstäben, Folien, Papiermaché, Netzen, Drähten, kleinen Ästen, Sand, Erde...
Die Planungswerkstatt wurde als eine Form der Jugendbeteiligung entwickelt. Das deutsche Kinderhilfswerk klassifiziert eine ähnliche projektorientierte Methodenform der Jugendbeteiligung als Projektwerkstatt (vgl. Ullmann/Reuting, 2001).

Ziel der Planungswerkstatt ist die inhaltliche Auseinandersetzung der Jugendlichen mit den Themen der Freiraum-, und Raumplanung und mit geschlechtsspezifischen Aspekten.
Für das Forschungsteam ist das Kennenlernen weiterer Bedürfnisse und Ansprüche der Jugendlichen an Freiräume von Interesse. Die Ergebnisse fließen in die Grünordnungsplan- und Objektplanungsebene des Freiraumplans ein.

Was passiert in der Planungswerkstatt?

An drei Tagen wurde in 8 Phasen mit den Jugendlichen wechselweise in der Gesamtgruppe und in Kleingruppen gearbeitet:
1. Gegenseitige Vorstellung der GruppenteilnehmerInnen anhand der Beantwortung zweier Fragen zum Freiraumverhalten
2. "Ausschreibung" und Vergabe von Planungsaufträgen für die
ausverhandelten Orte/Themen und Einteilung der Gruppen
3. Gestaltung der Freiräume mittels Modellbau
4. Zeichnerische Aufarbeitung der Planungen (Pläne, Skizzen, Details), Gestaltung von Plakaten für die Ausstellung in Bruck
5. Präsentation in der Großgruppe und gemeinsame Auswahl der Gestaltungsvorschläge für die Weiterbearbeitung in der Bauwerkstatt
6. Nennung von Kriterien für Jugendfreiräume
7. Spatenstich auf den Freiräumen und Aufstellen der Tafeln: "Hier entsteht..."
8. Öffentliche Ausstellung und Präsentation in der Gemeinde Bruck

In sieben Kleingruppen bearbeiteten die Jugendlichen sieben Planungsaufträge für Murinsel, Murinsel-Murspitz, Schillerplatz, Stadtpark, Schlossberg, geplante Wohnsiedlung Hochfeld und Hochbrücke, gestalteten 11 Plakate und bauten 10 Modelle. Auf Grund der Erfahrungen aus der Zukunftwerkstatt wurde seitens der Betreuung darauf geachtet, dass sich Gruppen nach Alter getrennt oder ausgewogen zwischen jüngeren und älteren bildeten. Das Gleiche galt für die Geschlechter.

Was bringt die Teilnahme?

Als Motivation für die Jugendlichen wurden am Beginn der Planungswerkstatt folgende Argumente angeführt:
_ Ihr könnt mitgestalten und Verantwortung übernehmen, eure Ergebnisse präsentieren und mit der Gemeinde verhandeln, eure Ideen im building_space selber bauen und Spaß haben.
_ Die Arbeiten werden in www.teensopenspace.at ausgestellt.
_ Die Stadt Bruck und die Forschung interessiert, was ihr wollt.
_ Ihr seid gleichberechtigte Partner der Stadt und Forschung (team teens_open_space)
_ Es ist eure freie Entscheidung, ob ihr mitmachen wollt.
_ Wir haben ein gemeinsames Ziel: Bruck verschönern und lebenswerter machen!


Wer war dabei?

Insgesamt nahmen 36 Jugendliche (10 Mädchen und 26 Burschen) teil, davon waren 13 Jugendliche bereits bei der Zukunftswerkstatt dabei. Am ersten Tag waren 31 Jugendliche, am zweiten 30 und am dritten 23 Jugendliche anwesend.
Gearbeitet wurde am 21. und 22. Juni 2001 jeweils von 9.00 bis 17.00 Uhr und am 23. Juni 2001 von 9.00-14.00 Uhr in der Factory 2010, dem Jugendzentrum der Stadt Bruck /Mur.
Zur Seite standen 3-4 BetreuerInnen des teams teens_open_space. Zusätzlich standen Fachleute für Diskussionen zur Verfügung: Hr. Nistelberger, Raumplanungsbeauftragter von Bruck, Herr Koller, Gebäudeverwaltung Schulen für die öffentliche Schulportfläche Schillerplatz und Herr Schaller vom AMS bezüglich der Jobbörse für Jugendliche


Ergebnisse der Planungswerkstatt

Jugend vor 2 Jahren, in 20 Jahren...

Als ihre Lieblingsbeschäftigung vor zwei Jahren im Freiraum nannten die Jugendlichen am häufigsten Fußball spielen (9x), Schwimmen (8x), Fahrrad fahren-Mountainbike (7x), Skaten (3x), Volleyball (3x), Basketball (2x), Spazieren gehen mit Hund (2x). Jeweils einmal wurde genannt: Kickboxen, Ballett, Computer spielen, Handball, "Saufen", Rausch ausschlafen, Autofahren.
Bei den Burschen dominierte Fußball, gefolgt von Radfahren (Mountainbike), Schwimmen und Skaten. Mädchen nannten Schwimmen, Radfahren, Volleyball, Basketball und Skaten (absteigende Nennungen).
Es wurden vorwiegend sportliche Aktivitäten genannt. Sitzen, Liegen und Reden, Nutzungen die während der Planungswerkstatt bedeutend für die Entwurfsgedanken waren, wurden erstaunlicherweise nicht genannt. Bis auf diese Nutzungen scheinen sich die Nutzungen von vor zwei Jahren kaum von den heutigen zu unterscheiden. Die Veränderbarkeit und Multifunktionalität von Jugendorten scheint für die einzelnen Jugendlichen, solange sie im Jugendalter sind, nicht wichtig zu sein, sondern sie ist ein wichtiger Faktor für die sich ändernden "Generationen der Jugendgruppen".
Die Frage "Was machst du in 20 Jahren auf deinem Freiraum?" wurde von den Jugendlichen in Form eines Kurzprojektes beantwortet. Mit Zahnstochern und Papier bauten sie ihre Antworten. Häufigste Nennungen waren Haus, Garten, Liegen, Sonnen, Sitzen, Fußball spielen und Skaten (absteigende Nennungen).
Jugendliche, die heute sehr sportlich aktiv sind, glauben auch in 20 Jahren vorwiegend ihren Sport weiter im Freiraum zu betreiben. Die zukünftig vorstellbaren Freiraumansprüche der Jugendlichen beziehen sich im Gegensatz zu denen vor zwei Jahren vorwiegend auf private Freiräume.


Jugend heute, ihre Gestaltungsideen und Empfehlungen für den Freiraumplan

Die Jugendlichen zeigten sich sehr geschickt im Umgang mit der "Ausschreibung" indem sie den ausgeschriebenen Leistungsumfang nahezu in allen Punkten erfüllten. Für die Gestaltung ihres Freiraums hatten sie viele Ideen. Schwieriger war das "über die Fläche hinausschauen": Wegeverbindungen und den Ort im Stadtgefüge anzudenken.
Nachfolgende Auflistung zeigt die Gestaltungsvorschläge der Jugendlichen, gereiht nach den Prioritäten, die je Gruppe festgelegt wurden. Ebenso werden Empfehlungen für die Einbindung der Gestaltungsideen in den Freiraumplan abgegeben. Prinzipiell eignen sich alle Projekte zur Einbindung in den Freiraumplan. Die Ideen zeichnen sich durch einen hohen Realitätsbezug und eine gute Umsetzbarkeit aus. Die geplante Siedlung Hochfeld, Stadtpark, Murspitz und Schillerplatz werden in der Freiraumplanebene M 1:500 Eingang finden. Für die Weiterbearbeitung in der Bauwerkstatt wurden die Projekte Hochbrücke, Murspitz und Pavillon im Stadtpark ausgewählt.

Murinsel
1. Streetsoccerplatz asfaltiert mit Spielfeldbande, 2. Konzertbühne, 3. asfaltieren des Schlackenplatzes (Trainingsfussballplatz) für Skaten und Konzerte sowie Weg entlang Stadion, Brücke über Mur, weitere Sitzmöglichkeiten
Für den Freiraumplan - FRP sind im besonderen die geplante Wegeverbindung entlang des Stadions und die Brückenverbindung interessant; genaue Standortfestlegung für die Brücke kann im FRP erfolgen. Da es bereits viele versiegelte Flächen auf der Murinsel gibt, wäre zu prüfen, ob es wirklich sinnvoll ist, den Schlackenplatz zu versiegeln.

Murinsel - Murspitz
1.bunte Bänke, 2. Mistkübel/Uferzugang, 3.Beleuchtung/ Getränkeautomat sowie Palmen in der Mitte der Fläche, Ufergehölze schneiden, Ausbau Pfad zum Spitz, Steg auf die Mur
Ein zusätzlicher Zugang zum Wasser gehört nicht nur in diesem Uferabschnitt unterstützt. Ein Konzept zur gesamten Ufergestaltung wäre in der Freiraumplanebene M 1:500 denkbar.
Die weiteren Ideen sind vorwiegend Möblierung und relativ leicht umsetzbar. Der Ort kann durch die bunt gewürfelte und lockere Aufstellung der Bänke gewinnen. Die Weiterführung des Gestaltungskonzeptes auf die angrenzende Freifläche neben dem Verkehrspark wäre sinnvoll, außerdem die Schaffung eines Platzes im Einmündungsbereich der Fußgängerbrücke, welche die Verbindung über den Murkanal herstellt.

Schillerplatz
1. Zaun (zur Hauptschule hin), 2. Rasensanierung/Trinkbrunnen, 3. Flutlichtanlage am Spielfeld sowie Linierung Spielfeld, Entfernung der Bodendecker, Baumschnitt
Geschlechtsspezifische Aspekte z.B. wie ein Bubenort auch zu einem Mädchenort werden kann, wurden für diesen Ort nur andiskutiert. Die Burschengruppe, die den Ort bearbeitete, hatte außer Fußball wenig andere Interessen. Die Öffnung des Zaunes zur Goethestraße soll in den Freiraumplan eingebunden werden.

Stadtpark
1. Pavillon, 2. überdachte Bänke entlang der Wege, 3. Hecken als Abschirmung zur Schillerstraße
4. Aschenbecher sowie gerade Wegeführung, Blumenbeete entlang Wege, Springbrunnen im südöstlichen Teil, WC im Turm, runde Bänke um Bäume
Das Raumkonzept der Jugendlichen eignet sich gut für unterschiedliche NutzerInnen. Die Jugendlichen waren in ihrer Formensprache und Materialwahl sehr auf die Akzeptanz von anderen v.a. älteren Nutzerinnen des Stadtparks bedacht. Die Anlage der überdachten Sitzbereiche entlang der neuen Wege und um den neuen Brunnen könnte gut funktionieren. Rückschnitt der Hecken ist sicher notwendig. Die Anlage der Wege scheint sehr sinnvoll. Eine zusätzliche Wegverbindung wird entgegen den Wünschen der Jugendlichen im Bereich des Müllplatzes an der Turnhalle vorgeschlagen.
Der Standort für den Pavillon fügt sich gut in das Gesamtkonzept ein. Die Umsetzung sollte einer zeitgenössischen Formen- und Materialsprache entsprechen.

Schlossberg
1.Café mit Ausblick auf Bruck und Terrasse
Das Café ist eine rein architektonische Aufgabe, die aber durchaus diskussionswürdig für den FRP ist. Die Jugendlichen verdeutlichten oftmals ihren Standpunkt, dass sie nur ein Cafe wollen und keine Sonnenterrasse, da sie sich durch die Anwesenheit eines Cafebetreibers ein anderes Publikum auf dem Schlossberg erhoffen. An diesem Ort besteht ein eklatantes Bedürfnis nach Sicherheit. Maßnahmen hierfür sollen bei Weiterbearbeitung auf die Grünordnungsebene des FRP einfließen, ebenso wie die Verbesserung der Zugänglichkeiten (Wege).

Wohnsiedlung Hochfeld
1. Häuser, 2. Park, 3. Straße, 4. Jugendtreff sowie 2-3 geschossige Reihenhäuser mit Garten, ausgedehnte private und siedlungsöffentliche Freiräume, Allee à la spanischer Rambla, Park, eigene Bereiche für Hunde, Straßenquerschnitt Tragösserstraße.
Prinzipiell sind alle Anregungen der Jugendlichen für den FRP aufnahmewürdig. Das Bebauungskonzept muss aber überdacht werden, Ausrichtungen nach Sonne, und die Dimensionen sind zu weitläufig. Straßenquerschnitt ist gut geeignet.

Hochbrücke
1. Betonpfeiler (Licht und Muster), 2. Sonnenterrasse mit Sonnensegel an der Mur und Attraktivierung des Brückenunterraumes sowie Auswahl von 8 Pfeilern für Lichtinstallation, Bemalung des Bodenbelags, Sitzbereiche zwischen Kirche und Brücke
Die Vorschläge sind für temporäre Einrichtungen durchaus geeignet. Für den Freiraumplan wäre eine Konzept für die wechselnden temporären Installationen bis zum möglichen Abbruch der Brücke denkbar (Zeit, zweimal pro Jahr verändert sich die Brücke, Fasching und Sommerfest), Vorschlag für Ausschreibung von Kunstwettbewerben muss aber mit der geplanten Sanierung und zuständigen Brückenverwaltung abgesprochen werden.

Jobbörse für Jugendliche
Am zweiten Tag, war Herr Schaller vom AMS anwesend und teilte einigen Jugendlichen die Servicedienste des AMS mit. Dort gibt es eine spezielle Jobbörse für Jugendliche, speziell scheint sich das AMS für die Vermittlung von Lehrberufen zu eignen.
Die Jobbörse stieß während der Planungswerkstatt auf geringes Interesse. Ausser in dem Gespräch mit Herrn Schaller wurde nicht daran gearbeitet. Keine weitere Einbindung in den FRP


Kriterien für Jugendfreiräume

Aus den Nennungen der Jugendlichen auf die Frage " Was ist bei der Planung von Freiräumen für Jugendliche zu beachten?" können (in Einbeziehung bereits abgeleiteter Kriterien aus der Begehung und Freiraumerhebung zur Bewertung der sozialen und räumlichen Qualität von Freiräumen) folgende Kriterien für die Nutz- und Verfügbarkeit für jugendgerechte Freiräume formuliert werden:

1. Jugendliche brauchen Rückzugsräume, in denen sie sich unbeobachtet fühlen.
2. Öffentliche Freiräume müssen sicher sein und genügend ausgeleuchtet sein.
3. Jugendliche brauchen vor allem Sitz- und Liegemöglichkeiten. Diese müssen in Rückzugsräumen, wie an Treffpunkten und Bewegungsräumen ausreichend vorhanden sein. Spezieller Wunsch besteht für überdachte Sitzmöglichkeiten.
4. Jugendfreiräume müssen sauber sein: besonders müssen sie genügend Aschenbecher aufweisen. Bei der Materialienwahl sind Materialien wünschenswert, die leicht zu säubern sind oder leicht trocknen. Am besten wären Materialien, die nach dem Beispiel des Lotuseffektes jeglichen Schmutz von vornherein abweisen.
5. Jugendfreiräume müssen Sportmöglichkeiten aufweisen.
6. Jugendliche wollen fixe und stabile Ausstattungselemente, die robust sind und nicht leicht kaputt gehen oder entfernt werden können.
7. Jugendfreiräume müssen jederzeit zugänglich sein
8. Jugendliche haben relativ einfache Ansprüche, besonders bei Ausstattungselementen geben sie sich oft mit herkömmlichem Mobiliar zufrieden.
Jugendliche sind in ihren Wünschen vermutlich so bescheiden, weil sie aufgrund des eklatanten Mangels (abgesehen von Trendsportanlagen wie Skateplätzen) sehr wenig Nutzungsmöglichkeiten im Freiraum haben, bzw. innovative Gestaltungen von Freiräumen nicht kennen. Hier liegt der Ansatzpunkt für Bruck und sämtliche andere Gemeinden und Städte in Österreich, endlich fundierte Freiraumplanungen mit innovativen Gestaltungsvorschlägen und neuzeitlichen Interpretationen von Ausstattungselementen zu forcieren.


Weiterführung der Ergebnisse in der Gemeinde

Die Modelle und Plakate wurden von 24.-30. Juni 2001 im Innenhof des Rathaus Bruck/Mur ausgestellt. Am 26.Juni 2001 präsentierten 14 Jugendliche ihre Arbeiten dem Bürgermeister, dem Fachausschuss Bau, dem Fachausschuss Kultur, Jugend und Sport, GemeindevertreterInnen, PressevertreterInnen, dem Fernsehen (mema TV), mm Radio 89,6 und den Eltern.
Bürgermeister Rosenberger gab Zusagen für jeden bearbeiteten Ort, jedoch mit Einschränkungen. Temporäre Veränderungen sind gleich umsetzbar, längerfristige müssen erst festgelegt werden. Die Sonnenterrasse am Schlossberg in Pritschenform ist kein Problem. Für die Nutzung stellen jedoch die Zugänglichkeit und das Wasserreservoir eine Einschränkung dar. Auf der Murinsel wird statt des Fußballplatzes der Eislaufplatz für Streetsoccer und Konzertbühne zur Verfügung gestellt. Im Stadtpark sind der Pavillon, Bepflanzung und Bänke denkbar. Für sonstige Oberflächengestaltung gilt eine Einschränkung wegen möglichem Tiefgaragenbau, kein WC Neubau - dafür stehen Kulturhaus und Sporthalle zur Verfügung. Am Schillerplatz wird der Rasen im Juli erneuert, Zaun und Bänke sind im Gegensatz zum Flutlicht denkbar, der Trinkbrunnen wird geprüft. Bei der Hochbrücke gibt es eine Einschränkung wegen der geplanten Sanierung.

Allgemeine Vorschläge zu weiterleitenden Handlungsfeldern für die Gemeinde
in Bezug auf Jugendbeteiligung im Außenraum:

  • Einschränkung von zu langen Bearbeitungszeiten bezüglich Umsetzung von Bauvorhaben und Verbesserungsmaßnahmen für Freiräume
  • Steter Kontakt der direkten Ansprechpartner zu Jugendlichen. Sie verkürzen
    Jugendlichen Wege und Zeiten bei Genehmigungen und Auskünften
  • Laufende, professionelle, gezielt auf Jugendliche ausgerichtete Werbekampagnen für die Weiterführung von teens_open_space nach Projektende, Bekanntmachung der Ansprechpersonen der Gemeinde auch bei nachkommenden Jugendlichen
  • Festlegung eines Prozentsatzes für Bürgerbeteiligung bei jedem Bauvorhaben, nach dem Beispiel der Stadt SELM, die per Ratsbeschluss eine Sicherung von 10% aller Bausummen für Beteiligungsverfahren vorsieht (vgl. Apel, 1999).
  • In Bezug Umsetzung und Jobbörse: Bekanntmachung und Unterstützung der Jugendlichen für das Aktionsprogramm Jugend, Aktion 3.1 - Förderung von Jugendinitiativen. Die Europäische Union vergibt an Jugendinitiativen, die ein Projekt eigenverantwortlich durchführen, Förderungen bis zu 10.000 EURO.


Reflexion - Die Planungswerkstatt als Form der Jugendbeteiligung

Gemäß dem Ansatz zu sozialen Vorrangflächen, der besagt, dass eine Qualitätssteigerung von Freiräumen dadurch entsteht, dass das Wissen der BewohnerInnen über ihren Lebensraum in den Planungsprozess einfließt, initiierte die Planungswerkstatt gemeinsam mit den anderen Events ein Empowerment und ein besseres Freiraumverständnis. In der Planungswerkstatt fand eine Umsetzungsinitiierung statt: Die genaue Festlegung der zu bauenden Ideen wird im Sommer vom Leiter der Bauwerkstatt geprüft.

Ein Anspruch an den Prozess einer "guten Beteiligung" von Jugendlichen ist die freiwillige Verfolgung eines gemeinsam formulierten (Forschungs)Zieles. Dabei werden die Jugendlichen als ernstzunehmende Partner begriffen und behandelt (vgl. Ullmann/ Reuting, 2001). Das Ernstnehmen geschah durch das Betreuungsteam teens_open_space und die Vertreter der Gemeinde, die mit den Jugendlichen über Ihre Ideen während der Planungswerkstatt berieten sowie bei der Präsentation die Ergebnisse verhandelten.
Die Jugendlichen legten ihre Prioritäten wie den Ort den sie gestalten wollten, auf Basis Ihrer freien Entscheidung fest. Laut Ullmann/Reuting lernen sie dadurch Verantwortung für Ihr Tun zu übernehmen und umsichtig mit sich und ihrem Umfeld umzugehen.
Die Planungswerkstatt war eine geeignete Methode um die Jugendlichen zu stärken. Sie war die Plattform, auf der ihre Ideen Platz fanden, ernst genommen wurden, modellhaft gebaut und ausformuliert werden konnten. Aus der Bewertung der Planungswerkstatt durch die Jugendlichen ging klar hervor, dass das Modellbauen und Entwerfen mit der Note 1,1 großen Anklang fand. Die Begeisterung der Jugendlichen selbst etwas zu gestalten drückt sich auch im Detaillierungsgrad und der Ausdauer aus, mit der die Modelle und Pläne erstellt wurden. Einige Gruppen konnten kaum dazu überredet werden, mit dem Modellbauen aufzuhören. Weniger beliebt sind lange Einleitungsphasen und Schlussbesprechungen.

Folgende Ansätze fanden gemäß den Grundsatzkriterien für Jugendbeteiligung (vgl. Jugendforum Frankfurt Bornheim Nord, 2001) in der Planungswerkstatt Beachtung:

  • Identifikation mit der Gesellschaft, vor allem unterschiedlicher Jugendgruppen durch Gruppenarbeit zu stärken. Die Gruppenarbeit schnitt auch in der Bewertung mit der besten Note 1,0 ab.
  • Spaß machen, indem jede Idee erst einmal ihre Berechtigung hat, möge sie noch so abwegig erscheinen. Dies zeigte sich in den ausgewerteten Fragebögen, hier gefiel den Jugendlichen, dass sie frei arbeiten konnten.
  • Artikulation ermöglichen, erst in der Gruppe, dann vor der Gemeinde.
  • Das Fördern von Engagement und Motivation zur Mitgestaltung der Umwelt zeigte sich ah einer durchgängigen Beteiligung an der Planungswerkstatt und in einer zahlreichen Anmeldung für die Bauwerkstatt.
  • Den Kontakt zwischen den Generationen ermöglichte die Präsentation in der Gemeinde und die Aktion Tafeln: "Hier entsteht..."
  • Kurzzeitige Umsetzung: wird einerseits durch die Bauwerkstatt gesichert, zudem ist hier vor allem die Gemeinde gefordert.

Empfehlungen für Planungswerkstätten

  • Für große Gruppen ab 30 Personen sind 4 Betreuungspersonen ideal.
  • Störende Gruppen oder TeilnehmerInnen sollten weggeschickt werden, da sie die anderen bei ihrer Arbeit demotivieren.
  • Jugendliche finden sehr schnell ihren Zugang zu abgegrenzten Themen/Orten, daher Vorsicht vor Überfrachtung mit unterschiedlichen Themen/Orten: Der erhoffte Nebeneffekt, dass sich die Gruppen während der Planungs- und Modellbauphase untereinander austauschen, trat nur reduziert ein. Es scheint sinnvoll, tageweise eine Kleingruppe zu einem bestimmten Ort einzuladen und die Planungswerkstatt dafür mit weniger Betreuungspersonen pro Tag aber an mehr als drei Tagen abzuhalten. Dafür ist die gemeinsame Einstiegs- und Abschlussrunde für alle Teilnehmer wichtig. Hier erfolgt der Austausch.
  • Eingehende Aufklärung darüber, was verwirklichbar ist bzw. dass nicht alle Ideen umgesetzt werden können, ist von Anfang an wichtig, um Enttäuschungen vozubeugen.
  • Einstieg über andere Projekte: Als Einleitung für zukünftige Planungswerkstätten wird empfohlen, Bilder von zeitgenössischen innovativen Freiraumgestaltungen zu zeigen, damit die Jugendlichen ihre bekannten Vorstellungswelten erweitern. Beispiele aus Barcelona und den Niederlanden sind hierfür wegweisend.

Selbstorganisierte Jugendgruppen können u.a. ein Ergebnis eines Beteiligungsprozesses sein. In Bruck an der Mur sind hierfür gute Voraussetzungen aufgrund der vorangegangenen Projektsschritte gegeben, z.B. wurde in der City_line der direkte Kontakt mit Gemeindevertretern hergestellt und zwei AnsprechpartnerInnen der Gemeinde den Jugendlichen vorgestellt. Bei der Planungswerkstatt wurde der bestehende Kontakt zu den GemeindevertreterInnen vertieft. Die Präsentation der Planungswerkstatt-Arbeiten erfolgte im Rahmen der Ausstellung vor Bürgermeister, Gemeindemitgliedern, Presse und BruckerInnen. Laut Ullmann ist der richtige Weg für eine alltägliche Beteiligungskultur, wenn sich alle Menschen für Ansätze der Beteiligung und deren Notwendigkeit öffnen und ihre festgefahrenen Strukturen verlassen. Dieser Schritt hat in Bruck bereits stattgefunden.

Alice Größinger

Literatur:
APEL, Peter: "Kinderfreundliche Stadtplanung - Reformimpuls für Freiraumplanung, Städtebau und Stadterneuerung". Mitgliederzeitung des BDLA NW e.V. Ausgabe 2/1999

DEUTSCHE AGENTUR JUGEND: "AKTIONSPROGRAMM JUGEND, Aktion 3.1. - Förderung von Jugendinitiativen". http://www.mitarbeit.de/Projekte/jfe.html, Juni 2001

JUGENDFORUM FRANKFURT BORNHEIM NORD: "Mach keine Politik!". http://www.mewi-ffm.de/abmprojekt/homepages/jufo/sites/jugendforum.htm, Juni 2001

KROMER, Ingrid: "Frei(e) Zeit für alle?". Österreichisches Institut für Jugendforschung. http://www.oeij.at/deutsch/team/texte/ingrid.htm, Juni 2001

LEIPZIGER KINDERBÜRO: "Workshop 3". http://www. leipziger-kinderbuero.de/tagungkinderrechte/w34.htm, Juni 2001

PANTUCEK, Peter: Zahlt sich Beteilgung wirklich aus? Beitrag für "am Wort", kommunale Kinder- und Jugendpolitik aktuell. Zeitschrift der Kommunalen Beratungsstelle für Kinder-, Jugend- und Bürgerbeteiligungsinitiativen, Graz. Nr. 2/2000

PETERSEN, Ulrike: "K.i.d.S Part - Planungsphase, drei Regeln, Gedanken zur Agenda 21 für Kinder, die eine Spielfläche planen." http://aisgmd.de/MS/kidsPart/Planphase/Agenda_21/Drei_Regeln.html, Juni 2001

ULLMANN, Ekle / REUTING, Thomas: "Kleine Schritte zum gemeinsamen Ziel, Kinderrechte und Formen der Beteiligung verändern (auch) die Erwachsenenwelt". http://www.roterübe.de, Juni 2001

ULLMANN, Ekle / REUTING, Thomas: "Kinder- und Jugendbeteiligung". http://www.roterübe.de, Juni 2001