Die Freiraumerhebung

Prozessbeschreibung und Methode

Mit der Methode der Freiraumerhebung wird nach räumlichen Kriterien gesucht, die soziale Wertigkeiten von Freiräumen bestimmen. Die Freiraumerhebung beschreibt die soziale Qualität der Freiräume in Bruck/Mur und bereitet eine maßgeschneiderte Situationsanalyse vor.

Freiräume beispielhaft zu erfassen, baut methodisch auf einem Beitrag der Kulturlandschaftsforschung auf (vgl. Haage, Klaffenböck, Salzer, Standler: Erlebte Veränderungen von Alltag am Beispiel von Haslach; Forschungsbericht KLF zu KLIK Wien, 1997). Die Auswahl der Freiräume deckt die Bandbreite verschiedener Freiraumsituationen in der Stadt Bruck/Mur ab und erfasst Freiräume, die sich für die Brucker Bevölkerung bewährt haben. Die Begehung der Lieblings- und Gruselorte schärft den Blick für die eingespielten Freiraumnutzungen der Brucker Bevölkerung und fließt in die Auswertung der Erhebung ein.

Die Freiraumerhebung beschreibt 20 wohnungsbezogene und 16 öffentliche Freiräume. Sie wurden parzellenscharf mit der jeweils zugeordneten Bebauung abgebildet, da diese den Gebrauchswert der Freiräume mitbestimmt (siehe Karte mit Aufnahmen). Merkmale der räumlichen Organisation mit der Erschließung, der Lage der Freiräume zu den Gebäuden sowie die Ausstattung mit der Vegetation, den Bodenbelägen und den Freiraummöblierungen sind skizziert und beschrieben, die Einbindung der Freiräume ins Stadtviertel vermerkt. Räumliche Organisation und Ausstattung der Freiräume sind hinsichtlich ihrer Nutzungsqualität bewertet, der Charakter als sozialer Ort, die Variabilität und die Möglichkeit paralleler Nutzungen aufgrund vorgefundener Nutzungsspuren und Beobachtungen interpretiert. Für die aufgenommenen Freiräume sind notwendige Maßnahmen angeführt, sie werden im Freiraumplan präzisiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Aufnahmen wurden nach Freiraumqualitäten gereiht und mit Freiraumtypologien anderer AutorInnen verglichen (vgl. Collage Nord, 1996; Harenburg Bernd/Wannags Ingeborg, 199; Loidl-Reisch Cordula, 1995; Mayrhofer Rita, 1996; Mehli Reto, 1995). Ergebnis ist eine Typologie der Brucker Freiräume: Die Freiraumtypen sind mit räumlichen Merkmalen gekennzeichnet, ihre Nutzungs- und sozialen Qualitäten benannt.

Die Freiraumerhebung ist Grundlage für die Qualitätsanalyse und Interpretation. Somit gibt die Erhebung Antwort auf die Frage: Welche räumlichen Kriterien bestimmen die soziale Wertigkeit von Freiräumen?

Katastermappe mit Lage der Aufnahmen: Siedlungen und öffentliche Freiräume

Basis eines maßgeschneiderten Freiraumplans

Die Typologie entspricht der spezifischen Freiraumsituation in Bruck an der Mur. Die Freiraumerhebungen beschreiben und bewerten jene Freiräume, für die Maßnahmen im Maßstab 1:500 festgelegt werden.
Als Kartierschlüssel dient sie im Rahmen des Freiraumplans der Charakterisierung und Analyse ausgewählter Stadtviertel, für die im Maßstab 1:5.000 eine Maßnahmenfestlegung erfolgt.
Die Typisierung ist für die privaten, gemeinschaftlichen und siedlungsbezogenen Freiräume am detailliertesten. Sie bestimmen auch die soziale Wertigkeit der angrenzenden öffentlichen Freiräume. Eine weitere Differenzierung der Straßen und Wege wäre methodisch möglich und zielführend. Die im Freiraumplan erfassten Straßenzüge werden im Zuge der Realnutzungskartierung beschrieben. Innerstädtische Parks und Stadtplätze sind fast flächendeckend in den parzellenscharfen Aufnahmen abgebildet, eine Typisierung aufgrund ihrer geringen Anzahl nicht möglich und erforderlich.

Arbeitsgrundlage für weitere Planungsvorhaben in der Stadt Bruck an der Mur

Der Kartierschlüssel kann auf das gesamte Stadtgebiet angewendet werden. Er liegt als Arbeitsgrundlage für weitere Planungen und Gutachten vor. Im Vergleich mit der Realnutzungskartierung können die Auswirkungen bestehender Fachplanungen auf die Freiraumsituation überprüft werden, im besonderen die der Flächenwidmungs- und Bebauungsplanung.
Ergänzend zur Bestandskartierung können auch geplante Freiräume den Typen zugeordnet werden. Die Auswirkungen von Bauvorhaben (Wohn- und Straßenbau, öffentliche Einrichtungen) auf die soziale Wertigkeit der Brucker Freiräume können damit abgeschätzt werden.
Die aus der Erhebung entwickelten Kriterien ermöglichen eine einfache Bewertung einzelner Freiräume (siehe: Freiräume im Test in der talk_line), dienen als Entscheidungshilfe für die Beauftragung von (Freiraum-) Planungen.

Bedeutung für die freiraumplanerische Praxis

Der Vergleich von Freiräumen mit Hilfe detaillierter Aufnahmen präzisiert oder revidiert fachliche Einschätzungen. Mit der vorgestellten Methode wird neben einer detaillierten Situationsanalyse (siehe Freiraumplan) daher auch ein Beitrag zur Freiraumforschung erarbeitet.

 

 



Datengrundlage: BruGis-DKM,
Stand Feb.2001

Interpretation der Ergebnisse: Eine Typologie der Brucker Freiräume

Die Brucker Freiräume sind nach ihrer sozialen Verfügbarkeit in private Freiräume, gemeinschaftlich genutzte Innenhöfe und Gärten, siedlungsbezogene Freiräume, institutionelle und öffentliche Freiräume gegliedert. Hinzu kommen land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen als Freiräume am Rand der Stadt.
Diese Kategorien sind weiter in Typen unterteilt, die sich in ihren räumlichen Merkmalen unterscheiden. Die Typen beschreiben jeweils eine Nutzungseinheit: Diese Form der Typisierung beschreibt räumliche Organisationsprinzipien, die auch die Stellung und Erschließung der Baukörper berücksichtigt. Damit sind funktionale und soziale Bezüge sowie eine Vielzahl an Qualtitätskriterien erfasst.

Übersicht_ Typologie: sehen oder herunterladen


Private Freiräume

Private Freiräume werden von in einem Haushalt lebenden Menschen genutzt. Sie eignen sich für gärtnerische, handwerkliche und Erholungsnutzungen, für Haus- und Betreuungsarbeit. Der Spielraum für die individuelle Nutzung und Gestaltung ist groß.
Die Gärten der Einfamilienhäuser erweitern den Lebens- und Arbeitsraum der Innenräume: Hier wird Hausarbeit verrichtet, repariert, gelernt, oft auch ein Teil der Lohnarbeit erledigt. Das Begriffspaar ‚Innenhaus und Außenhaus' (Hülbusch, Inge Meta, 1981) beschreibt die funktionelle und soziale Einheit von Garten und Haus.
Die Form der Parzelle unterscheidet die Hausgärten: Parzellen mit einem Breiten- Längenverhältnis kleiner 1:2, an der Straße liegt die Schmalseite, sind sparsam in der Aufschließung und bringen eine hohe AnrainerInnendichte an den Straßen. Die Gärten sind gut nutzbar, da vor und / oder hinter dem Haus eine zusammenhängende Gartenfläche liegt. Bei Querparzellen mit einem Breiten-Längenverhältnis größer 1:2 ist die Grenze zur Straße länger. Ein großer Teil des Gartens ist daher von der Straße aus einsichtig oder mit hohen Hecken abgegrenzt. Die Straßen sind von ‚toten Grenzen' - Repräsentations- und Abstandsflächen oder nicht überblickbaren Hecken - gesäumt und daher eher anonym. Die Gartenflächen liegen rund um das Haus verteilt, kleine Querparzellen sind aus diesem Grund nur eingeschränkt nutzbar.
Die in Bruck vorherrschende freistehende oder gekuppelte Bauweise organisiert einen von vorne nach hinten durchgängigen Garten. Das erleichtert den Zu- und Abtransport und die Gartenarbeit. Bei Reihenhäusern ist ein hinterer Erschließungsweg oder ein durchgängiger Flur notwendig.
Wenn das Haus vorne an der Straße steht, sind, im besonderen bei Längsparzellen, die Freiräume in einen von der Straße wenig oder nicht einsehbaren Garten hinter dem Haus, einen Vorgarten und einen von Häuserreihen begleiteten Straßenfreiraum differenziert: Orte mit unterschiedlichem Öffentlichskeitsgrad und verschiedenen Nutzungsqualitäten.
Längsparzellen mit an der Straße gekuppelten oder gereihten Häusern schaffen eine differenzierte, vielfältig nutzbare Freiraumstruktur. Gleichzeitig ist diese Organisationsform sparsam in der Aufschließung und im Flächenverbrauch. Im städtischen Raum sind 300 bis 600m² große Parzellen zu bevorzugen (Siedlung Westend). Größere Längsparzellen verleiten zur Nachverdichtung mit Fahnenparzellen: Die Parzelle wird quergeteilt, die hintere Hälfte ist auf einem schmalen Privatweg zu erreichen (Blumengasse).
Gärten, Kleingärten in Kleingartenanlagen, Baulücken und Brachen sind private Freiräume ohne Dauerwohnsitz, die als Produktionsland und / oder Freizeitfläche genutzt werden können. In den zahlreichen Brucker Kleingärten wird Obst und Gemüse gezogen oder sie sind arbeitsintensiv als Ziergarten gestaltet.
Kleingartenanlagen sind Folge der unzureichenden Freiraumausstattung bei den Geschoßwohnungsbauten. Sie ersetzen den privat nutzbaren Garten beim Haus. Aufgrund der Entfernung zur Wohnung fallen Wegzeiten an, die Möglichkeiten paralleler Tätigkeiten sind damit gegenüber den Hausgärten eingeschränkt.
Die Baulücken und Brachen werden von den EigentümerInnen aktuell nicht gebraucht, möglich sind temporäre öffentliche oder gemeinschaftliche Nutzungen.


Garten eines Einfamilienhauses auf Längsparzelle: Haus vorne, Haus mittig oder hinten


Garten eines Einfamilienhauses auf Querparzelle: Haus vorne, Haus mittig oder hinten

Gemeinschaftsgärten und Innenhöfe

Die Freiräume der gründerzeitlichen Miethäuser und der mittelalterlichen oder Renaissancehäuser der Altstadt sind einem von mehreren Parteien bewohnten Haus zugeordnet. Wie bei den privaten Hausgärten entspricht die Parzelle einer Nutzungseinheit mit Haus und Garten oder Hof. Die Hausparteien nutzen die Freiräume gemeinsam, sprechen die Nutzung und Gestaltung ab.
Die Höfe und Gärten der geschlossenen Bebauungen sind durch die Gebäude von der Straße abgeschirmt, ihre Atmosphäre ist im Gegensatz zum öffentlichen Straßenfreiraum privat. Die straßenseitige, geschlossene Bebauung ist sparsam im Flächenverbrauch, die längliche Parzellenform schafft hohe AnrainerInnendichten an den Straßen. Diese Organisationsform eignet sich daher für eine Mischnutzung: Im Erdgeschoß sind häufig Dienstleistungsbetriebe oder Geschäfte untergebracht. Beispiele sind in der Altstadt, der Grazer Straße und der H. v. Montfort-Gasse zu finden.
Die Nutzungsqualität nimmt mit zunehmenden Geschoßhöhen, steigender Anzahl der Hausparteien und abnehmender Größe des Freiraums ab. Bei mehr als vier Hausparteien ist der individuelle Gestaltungs- und Nutzungsspielraum stark eingeschränkt (vgl. Staller Susanne, 1996:98), meist nutzen dann nur wenige BewohnerInnen den Garten oder Hof. Die Gemeinschaftsgärten mit einer Größe von etwa 500m² sind auch für die Produktion von Obst oder Gemüse geeignet (H. von Montfort-Gasse 13). Häufig sind aber nur kleine Höfe für alle BewohnerInnen zugänglich: Sie dienen als Abstellplatz und eignen sich für handwerkliche Arbeiten; Aufenthaltsqualität und Nutzungsmöglichkeiten sind aufgrund der geringen Ausdehnung und der oft schlechten Belichtung aber eingeschränkt (Schiffergasse 11, Grazer Straße).


Innenhöfe und Gemeinschaftsgärten

 

 

 

 

 

 

Siedlungsbezogene Freiräume

Siedlungsbezogene Freiräume sind mehreren Baukörpern oder Stiegen zugeordnet und vom öffentlichen Raum frei zugänglich. Das trifft auf die Freiräume der seit den 40er Jahren errichteten nicht parzellierten Blockbebauungen, der Zeilenbauten und der offenen Bauformen zu. Parzellengrenzen sind für die BewohnerInnen nicht erkennbar und differenzieren daher weder Zuständigkeit noch Funktion. Die Freiflächen sind großteils vom Straßenraum und von den Wohnungen einsehbar. Die Ausstattung und das Mobiliar - meist Wäscheplätze, Teppichklopfstangen und Kinderspielgeräte - geben die Nutzungen vor. Andere Tätigkeiten und individuelle Veränderungen des Freiraums werden häufig von BewohnerInnen sanktioniert. Unterschiede in den Ansprüchen (besonders bei einer differenzierten BewohnerInnenstruktur) können leicht zu Konflikten führen oder die Nutzung lähmen. Hohe Geschoßzahlen schränken die Möglichkeiten der Freiraumnutzung ein: Ab dem 4. Geschoß ist die Distanz zum Freiraum schon sehr groß und der Zugang deutlich erschwert (vgl. Baumgartner, Maria, et al, 1997:75). Bei Hochhäusern mit mehr als sechs Geschoßen, besteht kaum ein funktionaler Zusammenhang zwischen Wohnung und Freiraum: Die Freiflächen werden sehr selten aufgesucht und sind von den oberen Wohnungen auch nicht einsehbar.


Siedlungsbezogener Freiraum einer nicht parzellierten Blockbebauung, äußere Erschließung der Gebäude


Siedlungsbezogener Freiraum einer nicht parzellierten Blockbebauung, innere Erschließung der Gebäude

Die Freiräume der nicht parzellierten Blockbebauung liegen im Inneren des Baublocks und sind durch die Baukörper vom öffentlichen Straßenraum abgeschirmt. Sie setzen sich daher deutlich vom öffentlichen Straßenraum ab. Dieser ist durch die hohe AnrainerInnendichte und die Lage der Gebäude an der Straße belebt. Das fördert eine Mischnutzung mit Dienstleistungsbetrieben und Handel. Straßenseitige Hauseingänge erleichtern die direkte Zugänglichkeit des Straßenraums. Zudem ist eine (nachträgliche) Abgrenzung von Gemeinschaftsgärten direkt an den Gebäuden möglich. In solchen Gemeinschaftsgärten ist die Anzahl der NutzerInnen überschaubar und die Gestaltung leichter abzusprechen. Das ermöglicht auch die Anlage von Gemüse- und Blumenbeeten (Erzherzog Johann-Gasse 12-15 und 17). Bei innen erschlossenen Blockbebauungen besteht kein funktionaler Bezug zwischen Bebauung und Straßenraum. Der siedlungsöffentliche Freiraum übernimmt hier auch die Funktion der Erschließung und ist daher weniger privat.


Siedlungsbezogener Freiraum bei Zeilenbauten

Die Siedlungsbezogenen Freiräume des Zeilenbaus liegen zwischen parallel oder im rechten Winkel angeordneten Gebäuden mit jeweils mehreren Stiegen, die siedlungsbezogenen Freiräume an offenen Bauformen rund um punktförmig oder im Geviert angeordnete Baukörper.
Da ein Großteil der Gebäude mit Wohnwegen erschlossen ist, sind die Straßen tendenziell anonyme Verkehrsbänder mit geringer Aufenthaltsqualität. In mehreren Beispielen der 80er und 90er Jahre sind große Siedlungen nur über eine Zufahrt an die Straßen angebunden (Lamingfeldsiedlung C, Murpark). Da der Durchgang für die Öffentlichkeit häufig untersagt ist, stellen diese Siedlungen auch Barrieren im Stadtviertel dar.
Die Freiräume grenzen an die öffentlich genutzten Zugangswege, teils auch an Straßen. Sie haben daher tendenziell öffentlichen Charakter und Aneignungen sind besonders schwierig. Das Fehlen innerer Grenzen, meist auch der zum öffentlichen Raum hin, stellt Disparitäten zwischen Eigentums- oder Mietverhältnissen und der Nutzung her: Die Zuständigkeiten für die Freiräume sind unklar, der Charakter der Freiräume ist weder privat noch öffentlich. Die BewohnerInnen zahlen für die Pflege, haben aufgrund der großen Zahl der NutzerInnen jedoch wenig Einfluss auf die Gestaltung. Diese Freiraumstrukturen nivellieren die Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Freiräumen und schränken die Möglichkeiten der Nutzung ein.
Meist sind die Freiräume hinter den Gebäuden schlecht zu erreichen, da Hinterausgänge und Balkonstiegen fehlen oder die Zugänge durch den Keller führen.
Innerhalb der siedlungsbezogenen Freiräume gibt es auch private Gartennutzungen:
In den Siedlungen Murpark und Lamingfeld G, die in den 90er Jahren errichtet wurden, haben die BewohnerInnen des Erdgeschoßes kleine Gärten. Sie sind von der Wohnung durch Terrassentüren zu betreten, die siedlungsöffentlichen Freiflächen von den Gärten aus häufig einzusehen und zu erreichen - ein Vorteil im besonderen für die Kinderbetreuung. Der Gestaltungsspielraum und die Nutzungsmöglichkeiten dieser kleinen Gärten sind eher mit Terrassen als mit Gärten vergleichbar. Die Qualität der Gärten variiert innerhalb der Siedlungen: Am besten nutzbar sind größere Gärten, die nicht an die Haupt-Erschließungswege angrenzen.
In der Feltensiedlung sind Teile der siedlungsöffentlichen Freiflächen parzelliert und werden als Blumen- und Gemüsebeete oder als private Aufenthaltsbereiche genutzt. Die Gärten sind über die Erschließungswege zu erreichen und von den Gebäuden abgesetzt, weshalb sie von allen Wohnungen gleichermaßen zugänglich sind. Eine direkte Verbindung zwischen Wohnung und Garten fehlt allerdings.

Institutionelle Freiräume

Die institutionellen Freiräume sind jeweils für bestimmte Personengruppen zugänglich.
Die Allgemeinheit hat nur zu manchen Freiräumen öffentlicher Einrichtungen wie Schule, Kindergarten, Rathaus Zutritt. Die Sportfläche der Hauptschule Schillerstraße wird außerhalb der Schulzeiten zum Ballspielen genutzt und erweitert temporär das Angebot an innerstädtischen Parks. Gewerbliche Freiräume bei Industrie- und Gewerbebauten sind in Privatbesitz und meist für KundInnen, GeschäftspartnerInnen und MitarbeiterInnen nutzbar. Vereinssportflächen, Pfarrgärten, Schwimmbäder, etc. sind gegen Entgelt oder für Mitglieder von Vereinen sowie Glaubensgemeinschaften zugänglich.

Öffentliche Freiräume

Diese Freiräume können von allen Menschen frei benutzt werden. Sie sind städtisch, zum Teil auch von Land oder Bund verwaltet.
Straßen, Wege und Plätze sind immer Weg und Ort (Grundler / Lührs, 1993:16) - Verkehrsfläche und Freiraum. Da sie die verschiedenen Orte verbinden, sind sie die am häufigsten genutzten Freiräume einer Stadt.
Ihre Freiraumqualität ist von der Ausstattung, ihrer Zonierung und den angrenzenden Nutzungen sowie einem durchlässigen Erschließungsnetz abhängig: Strauch- und Blumenbeete sowie Hecken reduzieren die nutzbare Fläche und stellen für FußgängerInnen Hindernisse bei der Querung dar (Bahnhofstraße, Minoritenplatz, Fridrichplatzl). Sträucher und Bäume mit einem niederen Kronenansatz machen den Straßenraum unübersichtlich und gefährlich (Kolomann Wallisch Platz). Die hohe AnrainerInnendichte, die Vielfalt der angrenzenden Nutzungen und das besonders für FußgängerInnen durchlässige Erschließungsnetz in der Altstadt schaffen soziale und funktionelle Bezüge, belebte Straßen und Plätze. Hingegen lassen Stichwegerschließungen und die von den Straßen abgewandte Bebauung in den Einfamilienhaus- und Siedlungsgebieten am Stadtrand anonyme Verkehrsbänder mit geringer Aufenthaltsqualität entstehen (Tragösser Straße in Laming).
Die Straßen sind durch platzartige Aufweitungen (Platzl neben der Volksschule an der Dr. Theodor Körnerstraße) und Vorplätze von Gebäuden (Bahnhofvorplatz) erweitert. Hier sollte dem Aufenthalt mehr Platz eingeräumt sein. Häufig sind diese Freiräume allerdings vom motorisierten Verkehr stark besetzt oder die nutzbare Fläche ist durch die Bepflanzung eingeschränkt.


Siedlungsbezogener Freiraum bei offenen Bauformen, bis 3 Geschoße (Beispielskzizze)


Siedlungsbezogener Freiraum bei offenen Bauformen, 4-6 Geschoße (Beispielskzizze)


Hochhaus


Siedlungsbezogener Freiraum bei Zeilenbauten, mit Gärten für die Erdgeschoßwohnungen


Siedlungsbezogener Freiraum bei offenen Bauformen, bis 3 Geschoße, mit privater Gartennutzung (Beispielskzizze)


Siedlungsbezogener Freiraum bei offenen Bauformen, 4-6 Geschoße, mit Gärten für die Erdgeschoßwohnungen (Beispielskzizze)

Die Stadtplätze der Altstadt - Kolomann Wallisch Platz, Minoritenplatz - sind Aufweitungen von Straßen an Kreuzungspunkten. Dem Verweilen ist mehr Platz eingeräumt und es grenzen besonders viele Nutzungen an. Ihre Qualität als Aufenthaltsorte entsteht im Bezug zu den direkt angrenzenden vielfältig genutzten Bebauungen. Eine durchlässige, überschaubare räumlichen Gliederung könnte die Qualität der Brucker Stadtplätze weiter erhöhen.

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Stadtplätze (Beispielskizzen)

 

Die Innerstädtischen Parks in Bruck/Mur - Kleinkinderspielplatz F.-L. Jahnstraße, Abenteuerspielplatz Schillerstraße, Stadtpark, Park Goethestraße/Keplerstraße - sind bis zu 0,5 ha groß. Sie grenzen zumindest an ein bis zwei Seiten an private oder institutionelle Freiräume. Das verstärkt ihre Qualität als öffentliche Rückzugsräume.
Parks sind frei zugängliche Aufenthaltsorte, mit grundsätzlich vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten: Bewegung, Spiel, Kommunikation, Arbeiten, Lesen. Wenn sie gut erreichbar sind, können sie auch kurzfristig, zum Beipiel in Pausen, genutzt werden.
Die Brucker Parks sind entweder mit Blumenrabatten und Bodendeckern als Schaugarten oder mit Spielgeräten als Kinderspielplatz funktionalisiert. Nutzungsoffene Bereiche fehlen meist, die Rasenflächen im Stadtpark laden nicht zur Nutzung ein, sind Dekoration. Das verhindert vielfältige Nutzungen und verweist verschiedene Zielgruppen in unterschiedliche Parks oder, so vorhanden, einzelne Teilbereiche. Demgegenüber bemisst sich die Qualität von Parks an einer unterschiedlich nutzbaren Ausstattung (Mobiliar, ‚Fußböden') und an einer funktionell weitgehend unspezifischen räumlichen Gliederung (vgl. Bäuerle, H. / Theiling, C., 1996:11).
Murinsel und Schloßberg sind mehrere Hektar große Parkanlagen oder Naherholungsgebiete. Sie stellen die Verbindung zu den land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen her und sind oft mit Freizeiteinrichtungen kombiniert. Sie werden als Rückzugsorte, Treffpunkte und für Spiel und Sport genutzt.


Innerstädtische Parks (Beispielskizzen)

 

Land- und forstwirtschaftliche Flächen

Diese Flächen sind primär Produktionsflächen, zusätzlich können sie als Freiräume genutzt werden. Wenn sie gut erreichbar und durchlässig erschlossen sind, erweitern sie das stadtnahe Freiraumangebot. Diese Qualitätsmerkmale werden im Freiraumplan untersucht.

Resümee: Gebrauchsqualitäten der Freiräume

Die Typologie gibt das Spektrum der nach unterschiedlichen Gebrauchsqualitäten unterschiedenen Freiräume in der Stadt Bruck an der Mur wieder. Das Nebeneinander unterschiedlicher Freiraumtypen, im besonderen von öffentlichen und privaten Freiräumen, bietet den StadtbewohnerInnen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und die Wahl verschiedener sozialer Kontexte.
Diese Differenzierung wird mit der straßenseitigen Stellung der Häuser oder Geschoßwohnungsbauten erreicht. Die aneinandergereihten Hausvorplätze definieren soziale Bezüge und beleben den Straßenfreiraum, der deutlich von den wohnungsbezogenen Freiräumen hinter den Bauten abgesetzt ist. Eine parzellierte Stadtstruktur, in der die Parzelle Haus und Garten als soziale und ökonomische Einheit definiert (vgl. Mehli, Reto, 1996:64), schafft klare, bei maximal drei Geschoßen auch überschaubare Zuständigkeiten für die privaten oder gemeinschaftlichen Freiräume. Der individuelle Gestaltungsspielraum ist dann relativ groß und die Möglichkeit der Primärproduktion von Obst oder Gemüse gegeben. Diese räumlichen Anforderungen werden mit länglichen Parzellenformen und gekuppelter oder gereihter Bebauung an der Straße am besten erfüllt.
Hauptmerkmal der siedlungsbezogenen Freiräume ist im Gegensatz dazu das Großgrundstück: Eine hohe Zahl an potentiellen NutzerInnen und fehlende Grenzen erschweren die Aneignung der Freiräume und schränken daher die Nutzungsmöglichkeiten auf das vorgegebene Angebot ein. Die bei der Wohnung fehlenden Gärten werden mit Kleingartenanlagen kompensiert: eine funktionsräumliche Trennung innerhalb der Stadt, die zusätzlichen Verkehr nach sich zieht und den Alltag der NutzerInnen mit den entstehenden Wegzeiten erschwert. Bei Zeilenbauten und offenen Bauformen fehlt meist der Bezug zwischen Straße und Gebäude. Anonyme Verkehrsbänder entstehen, sozial definierte öffentliche Straßen und Plätze fehlen.
Das trifft im besonderen die Jugendlichen. In siedlungsöffentlichen Freiräumen unterliegen sie der Kontrolle besonders vieler Erwachsener. Dementsprechend selten halten sich Jugendliche dort auf. Bei der Begehung der Lieblingsorte und in der Zukunftswerkstatt wurde deutlich, dass Jugendliche öffentliche Freiräume eigens aufsuchen und sich oft längere Zeit dort aufhalten. Sie entziehen sich hier der elterlichen Kontrolle. Aufgrund ihrer meist eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten sind sie besonders auf den frei zugänglichen öffentlichen Raum angewiesen. Für diese Altersgruppe ist daher ein vielfältiges öffentliches Freiraumangebot wichtig: Neben den belebten Freiräumen der Straßen und Plätze brauchen Jugendliche Rückzugsorte und Bewegungsräume in innerstädtischen Parks und in Parkanlagen oder Naherholungsgebieten. In den Brucker innerstädtischen Parks steht für Jugendliche allerdings wenig Platz zur Verfügung. Die gärtnerische Flächenbesetzung oder die flächendeckende Möblierung mit Kinderspielgeräten schränkt die Nutzungsmöglichkeiten nicht nur für Jugendliche ein.

Gudrun Müller, Karin Standler
Prinzipskizzen: Norbert Brandstätter

Literatur:
BÄUERLE, Heidbert / THEILING, Christoph: Bremer Reihen, in: Notizbuch 44 der Kasseler Schule, Hrsg.: AG Freiraum und Vegetation, Kassel 1996
BAUMGARTNER, Maria / KÖRNDL, Waltraud / WANSCHURA, Bettina: Freiraumqualitäten & -defizite im geförderten Wohnbau der 80er und 90er Jahre am Beispiel der Stadt Graz
FORSCHUNGSBERICHT KLF (bm:bwk) zu KLIK - Kulturlandschaft im Kopf: Erlebte Veränderungen von Alltag am Beispiel von Haslach; Haage, Klaffenböck, Salzer, Standler, Wien, 1997
GRUNDLER, Hubert / LÜHRS, Helmut: Straßenbegleitgrün in der Krise, in: Notizbuch 27 der Kasseler schule: vom rand zur Bordüre, Hrsg.: AG Freiraum und Vegetation, Kassel 1993
HARENBURG Bernd / WANNAGS Ingeborg: Von Haustür zu Haustür - Organisationsformen und ihre Gebrauchsmerkmal,e in: Notizbuch 23 der Kasseler Schule: Von Haus zu Haus, Hrsg.: AG Freiraum und Vegetation, Kassel 1991
HÜLBUSCH, Inge Meta: Innenhaus und Außenhaus. Umbauter und sozialer Raum, Hrsg.: Organisationseinheit Architektur - Stadtplanung - Landschaftsplanung, Gesamthochschule Kassel, Schriftenreihe 01 - Heft 033, Kassel 1981(2. Auflage)
LOIDL-REISCH Cordula: Typen öffenlticher Frieräume in Wien. Ansätze zu einer Kategorisierung, in: Beiträge zur Stadtforschung, Stadtentwicklung und Stadtgestaltung, Band 55, Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung 18 - Stadtentwicklung und Stadtgestaltung (Hrsg.), Wien, 1995
MAYRHOFER, Rita: Vom Dorfrand zum Stadtrand. Die charakteristischen Perioden der Stadterweiterung am westlichen Stadtrand von Wien untersucht am Beispiel Dornbach, Neuwaldegg und Hernals, Dipolmarbeit an der Universität für Bodenkultur Wien, Wien 1997
MEHLI, Reto: Der Baublock - wiederentdeckt und doch verwirrend neu, in: Notizbuch 37 der Kasseler Schule: Blockrand und Stadtrand, Hrsg.: AG Freiraum und Vegetation, Kassel 1995
STALLER, Susanne: Wohnhof, Villa und Baublock, Diplomarbeit an der Universität für Bodenkultur Wien, Wien 1996