Freiraumbeschreibung und -analyse

Bruck Mitte / West

Umgebungsbezug:
Das kartierte Gebiet wird im Norden von der Oberndorfer Straße und dem Dürrnberg (Wald, Naherholungsgebiet), im Osten von der Grabenfeldstraße sowie der Fridrichallee und ihrer Verlängerung (Grenze zum historischem Stadtzentrum), im Süden vom Murfluß und Teilen der Stadiongasse sowie im Westen von den Kleingärten im Bereich Wüstenroter Straße und der Baumschulgasse begrenzt.

Gebietscharakteristik:
Flächendominierend sind im Kartierungsbereich siedlungsöffentliche Freiräume, im Süden finden sich gehäuft institutionelle und gewerblich genutzte Freiräume, während sich im Nordwesten die Dominanz von privaten Freiräumen der Umgebung bereits stärker bemerkbar macht. Der eklatante Mangel an privaten Freiräumen bei den Siedlungswohnbauten spiegelt sich in den großflächigen Kleingartenanlagen im Norden und Westen des Gebiets wider. Öffentliche Freiräume wie Parks und Plätze fehlen größtenteils. Als parkähnliche Nutzung, die aber vorwiegend auf Jugendliche zugeschnitten ist, ist der Abenteuerspielplatz zu nennen. An den Straßen gibt es zwei öffentliche Plätze mit geringer Aufenthaltsqualität (neben Volksschule Dr.-Theodor-Körner-Straße und bei der Murbrückenkreuzung neben der Musikschule).

Zwar liegen die Parkanlagen des Stadtzentrums von Bruck/Mur dem Kartierungsgebiet zum Teil relativ nahe (Goethepark, Schillerplatz, Stadtpark), insbesondere der nördlichste und südlichste Bereich haben aber einen dringlichen Mangel an flachen, gut begehbaren, allgemein nutzbaren Freiräumen. Gleiches gilt für die Wohngebiete Richtung Westen.

Im Norden ist das Naherholungsgebiet Dürrnberg mit seinen Wäldern rasch erreichbar, hingegen wird der Gewässerbereich Murufer im Süden überhaupt nicht genutzt, die Zugänge sind oft durch Bauten bis an die Gewässeroberkante versperrt (keine abnehmende Bodenversiegelung und Bebauungsdichte zum Gewässer). Interessant ist auch, dass straßenseitig die meisten Parzellen allgemein zugänglich sind, während an der Rückseite zur Mur die Verbindungswege abgezäunt oder verbaut sind.


Das kartierte Gebiet stellt den Übergangsbereich zwischen Stadtzentrum und den Einfamilienhauswohngebieten am westlichen Stadtrand dar. Die fehlende Gebietsidentität und der mangelnde räumliche Zusammenhalt zeigen sich speziell im Freiraum. Die dürftige Ausstattung an öffentlichen und privaten Freiräumen sowie die im Norden und Westen vergleichsweise schlechte Versorgung mit Geschäften und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs zwingt die BewohnerInnen sich stark am Stadtzentrum oder an Einkaufs- und Erholungsmöglichkeiten am Stadtrand zu orientieren. Abgesperrte Straßen und fehlende Querverbindungen verlängern die Wege und fördern den motorisierten Individualverkehr.

Während die Blockbebauungen der Zwischen- und Nachkriegszeit die Fläche noch relativ effizient ausnutzen bedienen sich die Siedlungsbauten seit den 60er Jahren einer künstlichen Strukturgebung. In Anlehnung an den Villen- und Einfamilienhausstil im Grünen wird mitten in die Flächen hineingebaut und so die "Auflösung der Stadt" (vgl. BÖSE et al. 1989: 82) und die Funktionalisierung der Straßen als Verkehrsraum baulich manifestiert. Das wohnungsnahe "Grün" dient in erster Linie der Optik und dem Wohnungsverkauf, nicht dem alltäglichen Gebrauch (sogenanntes "Abstands- und Pflegegrün"). Die Ausgestaltung der siedlungsöffentlichen Flächen mit Spielgeräten und Aufenthaltsbereichen sowie die Anlage von Privatgärten für die Erdgeschosswohnungen in den jüngsten Siedlungen zeigen den Bedarf an nutzbarem Freiraum direkt bei den Wohnungen. Allerdings sind diese Siedlungen häufig durch eine ineffiziente Nutzungsverteilung gekennzeichnet: Die Gärten und Terrassen grenzen an stark frequentierte Erschließungswege und große Teile der siedlungsbezogenen Flächen sind nach wie vor als ‚Schaugrün' gestaltet. Probleme mit Nachbarkindern oder -jugendlichen in siedlungsöffentlichen Freiräumen sind Zeichen der mangelhaften öffentlichen Freiraumversorgung.

Die Gebäude sind vorwiegend mit siedlungsöffentlichen Wegen erschlossen, das öffentliche Erschließungsnetz ist zu grobmaschig. Ausgedehnte Flächen werden parkenden Autos zur Verfügung gestellt. Während also die Menschen in den Geschosswohnbauten "gestapelt" wohnen, genießen Autos hier Einfamilienhausqualitäten.

Eine relativ große Fläche innerhalb des Kartierungsgebietes nehmen im Südwesten die Freiräume der Höheren Bundeslehranstalt für Forstwirtschaft ein. Das negative Image der ForstschülerInnen unter den Brucker Jugendlichen hängt zum Teil auch an der fehlenden Integration dieser Schule in das Stadtgefüge (verschlossene Tore, keine Sitzbänke im Freiraum, keine Durchgangswege zu angrenzenden Siedlungen). Das positive Gegenstück dazu ist die Freifläche südlich der Volksschule in der Dr.-Theodor-Körner-Straße. Zwar fehlen auch hier Verbindungen zur Umgebung und eine attraktive Gestaltung, allerdings ist bereits eine Mehrfachnutzung möglich.

Die Kleingartenanlagen im Norden und Westen erhöhen das Freiraumangebot für die GartenpächterInnen. Häufig ist die Nutzung eines Kleingartens aufgrund der zusätzlichen Wegzeiten aber unpraktisch, zum Beispiel für Berufstätige mit Kindern. Große Bedeutung kommt den Kleingartenanlagen hinsichtlich des Angebotes an Durchgangswegen für die Öffentlichkeit zu. Diesbezüglich bestehen noch zahlreiche Defizite. So findet der attraktive Spazierweg an der nördlichen Siedlungsgrenze keine Fortsetzung durch die Kleingartenanlage.

Potentielle temporär nutzbare Freiräume stellen weiters die zahlreichen Baulücken im Kartierungsgebiet dar. Zu diskutieren wäre desgleichen die zukünftige Nutzung des Brunnenschutzgebietes neben dem Abenteuerspielplatz, welches derzeit - als Wiese gepflegt - ebenfalls nicht betreten werden darf.

Straßenfreiräume: Positiv zu erwähnen ist, dass insbesondere ältere Siedlungen untereinander teilweise noch sehr gute Geh- und Fahrradverbindungen aufweisen, die die negativen Folgen der öffentlichen Sackgassenplanung (fehlende Durchgänge über weite Strecken wie südlich der Oberndorfer Straße zwischen Till-Gasse und Schillerstraße) mindern - wenngleich das Begehen oft nur bis auf Widerruf gestattet ist. Bei zahlreichen öffentlichen Straßen fallen zu schmale Gehsteige oder fehlende Gehsteigfortsetzungen auf, auch Straßenquerungen sind oft nur unzureichend vorhanden (Dr.-Theodor-Körner-Straße). Positiv zu bewerten sind die Radstreifen im Gegenverkehr bei Einbahnen.